Le Tour de France newsletter, Nr. 4, 28. April 2005
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http://www.le-tour.net

Bonjour und Guten Tag!

anbei unser monatlicher Newsletter für Euch Frankophile dort draussen, wo
immer Ihr Euch auch grade aufhaltet.
Wenn Ihr diesen monatlichen Newsletter nicht mehr bekommen möchtet, dann
bitte einfach ein kurzes Rückmail: unsubscribe.
Und die Aufforderung an MusikerInnen, Plattenfirmenmenschen,
KonzertveranstalterInnen: wenn Ihr News, Tourdaten, etc habt: immer her
damit.

Wir sehen uns, alles Gute


Thomas Bohnet

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Inhalt

1. Termine TOUR DE FRANCE
2. Sampler « LeTour Volume 2 »
3. Neue Franzosen-Cds
4. Franzosen-Acts live
5. Printemps de Bourges 2005, Festivalrückblick
6. Meine Playlist


1. Tour de France Termine
Hier die bereits feststehenden Daten der nächsten Monate: Die Termine findet
Ihr auch unter www.le-tour.net

In München gibt es die TOUR DE FRANCE bereits seit Mai 2000. Nachdem das
zuerst im legendären Club 2 über die Bühne ging, finden die Parties nun seit
zwei Jahren einmal im Monat ­ immer der erste Freitag im Monat!!! ­ im Café
der Muffathalle statt. Manchmal haben wir auch die Halle als zweiten Floor
dazugemietet.
In Berlin steigen die Parties seit September 2003 einmal im Monat im Roten
Salon in der Volksbühne (für Auswärtige: am Rosa-Luxemburg-Platz).

Fr 6. Mai 2005, München, Muffathalle, Etappe 60. Grosse Jubiläumsparty 5
Jahre TOUR DE FRANCE, auf 2 Floors, leider fällt hier die vorgesehene
Liveband Paris Combo aus: angeblich subventioniert die deutsche Plattenfirma
die deutsche Tour der Band nicht, weshalb die Tour flacht fällt. Wir feiern
nun auf zwei Dancefloors. Während in der grossen Halle Gast-DJ Christian
Berst und meine Wenigkeit Rock, Alternative/Indie, Reggae/Ska, aber auch
jede Menge Oldies spielen, rockt Mikael Bourdon das Café mit Beats aus
House, Rap, Nu Jazz, Latin und anderem.

Sa 7. Mai 2005, Berlin, Roter Salon, Etappe 21, ab 24 Uhr

Fr 3. Juni 2005, München, Muffat-Café, Etappe 61
Sa 18. Juni 2005, Berlin, Roter Salon, Etappe 22

Fr 1. Juli 2005, München, Muffat-Café, Etappe 62
Fr 23. Juli 2005, Berlin, Roter Salon, Etappe 23

2. LeTour Volume 2

Seit 28. Februar 2005 steht unser zweiter “Franzosen-Sampler" LeTour ­ The
Best In French Altenative Music (der Untertitel hätte auch heissen können:
das Beste des Jungen Frankreichs oder ähnlich) endlich auch in den Läden.
Musikalisch ähnlich gelagert wie Volume 1 wird Euch, wenn Ihr den ersten
gemocht habt, auch die zweite CD überzeugen. Versprochen! Mit dabei: Cali,
Romeo, Kana (Plantation), Tarmac, Mickey 3d, Paris Combo, Sanseverino.
Phonoboy, Florent Marchet, Nada Surf und vielen andere.
Den Sampler gibt es natürlich auch bei den Parties.
Neuerdings gibt es beide Sampler übrigens auch bei Zweitausendeins!
In folgenden Städten gibt es die CDs auch in den von mir empfohlenen Läden
zu erstehen ­ support your local record dealer!!
MÜNCHEN ­ Resonanz (Auenstrasse) und OPTIMAL (Kolosseumstrasse)
BERLIN ­ Scratch (Zossener Strasse)
KONSTANZ ­ Studio 2 (Bodanstrasse)

3. Neue Platten aus der französischen/francophonen Szene:

Amadou & Mariam: Dimanche à Bamako (Warner Music, Juni 2005)

Sie waren jüngst beim renommierten französischen Festival Printemps du
Bourges mit einem wunderschönen Konzert eine der Liveattraktionen, das aus
Mali kommende Musikerpaar Amadou & Mariam. Ihr jüngstes, in Frankreich im
November 2004 erschienenes Werk “Dimanche à Bamako" gewann im letzten Jahr
den begehrten “Victoire", den französischen Grammy für das beste
Weltmusikalbum und wird nun auch endlich im deutschspracigen Raum
veröffentlicht. Obwohl das blinde Musikerpaar, das sich vor 25 Jahren an
einer Blindenschule in der malisischen Hauptstadt Bamako kennengelernt hat,
zuvor schon drei feine Alben veröffentlicht hat, sollte dem sympathischen
Paar mit diesem Werk endlich der richtig grosse internationale Durchbruch
gelungen.Dazu hat nicht zuletzt auch der umtriebige, mit den Beiden
befreundete Manu Chao seinen Teil beigetragen. Und das hört man zum Beispiel
auf einem Killertrack wie dem vom Weltenbummler selbst gesungenen “Sénégal
Fast Food", das auch gut auf das lang erwartete dritte Album von Manu Chao
gepasst hätte. Doch auch der Rest der Platte ist wunderbarst, ob nun der
sonnige Reggae “La Réalité", der Titelsong, das schnelle afrikanische
“Artistiya" oder “Coulibaly". Afrikaanische Sounds treffen auf
Soundelementen aus anderen Weltregionen, wobei wie auf Manu Chaos Alben sich
auch hier politisches Engagement und privates die Hand geben.

Pauline Croze: dito (Wagram)....sehr schönes Debüt einer vielseitigen
Sängerin. Mehr im nächsten Newsletter

Alexandra Rose: Fanfares (Trèma).....Songwriterin, die wohl auch
US-amerikanischen Country und Wüstenrock-Sound à la Calexico liebt. Der Song
“La danseuse du Samba" ist grandios!

Tryo: De Bouches à Oreilles (Salut/Sony)....schönes Live-Doppelalbum der
Akustik-Polit-.Reggae-Band. Mit allen Hits, natürlich auch “Sortez-les"
(dessen Studioversion sich auch auf LeTour 2 findet)

Pascal Of Bollywood: dito (Naive).....der Franzose Pascal Héni als Inder auf
Peter Sellers Spuren...indische Filmmusik zwischen Indo-Pop, Disco-Hits und
Schnulzen..schöne Platte..mehr zu Pascal im Livebericht aus Bourges

Rubin Steiner: Drum Major! (RCA/BMG)...lang erwartetes neues Album des
Franzosen mit dem deutschen Pseudonym..der 29jährige Frederick Landier ist
einer der vielseitigsten und interessantesten Musiker Frankreichs.
Musikalisch irgendwo zwischen Nu-Jazz, Latin, Pop, HipHop-Breaks und
Electro. Sein “minellos" findet sich auf LeTour 1.

Kana: Entre Frères (Beatscience/Peacelounge, VÖ: 13.06.2005). Mein
Frankfurter Labelboss wird am 13. Juni das jüngste Album der französischen
Reggaeband Kana veröffentlichen. Deren Hit “Plantation" gibt es auch auf
LeTour 2. Mehr im näcshten Newsletter

Vegomatic: Surfin`, Robots & The Correct Use Of Rock `n`Roll (Future
Now/Al!ve)..bis auf den hübschen Song “French Up" langweilt das sxities-und
surf-inspierte Gerocke dieser Band ebenso wie ihr Liveauftritt ­ so gesehen
als suppport von Nouvelle Vague bei der letzten Popkomm in Berlin.

Auch jüngst erschienen und hier schon vorgestellt

Benjamin Biolay:L`Origine (Labels/EMI)
Camille: Le fils (Virgin)
Sandrine Kiberlain: Manquait plus qu`ça (Virgin France)
Thomas Winter et Bogue: Sur la colline (Virgin France)
Stereo Total : Do The Bambi (Disko B/Hausmusik)
Phonoboy : Très chic, trashig (Redwinetunes/RTD,)
Stefie Shock: Le Décor (Import)
Sergent Garcia: Best Of Sergent Garcia (Labels France/Virgin)
That Summer: Clear (Talitres/Rough Trade)
Françoise Hardy : « Tant de belle chose » (EMI)
Coralie Clement : Bye Bye Beauté (EMI)
Yann Tiersen & Shannon Wright: dito (Vicious Circle)
Les Hurlements d`Leo : Quest Terne (Hipster-Records/Soulfood)
Le Peuple De L´Herbe : Cube (PIAS,)

4. Franzosen-Acts live auf Tour :

Juliette Greco
Die grosse alte Dame des französischen Chansons. Letztens war in der “Welt
am Sonntag" ein schönes Interview (Interviewer: Max Dax) mit der klugen Frau
zu lesen, worin sie auch darauf eingeht, warum die Menschen heute Angst vor
der Freiheit, wie das die Existenzialisten Sartre, de Beauvoir verstanden,
haben.

Frage: Haben Sie eine Ahnung woran das liegen könnte, dass die Menschen
heute Angst vor dieser Freiheit haben?

Gréco: “Die Menschen sehnen sich nach Oberflächlichkeit. Nach einfachen
Prinzipien. Sie flüchten neuerdings wieder in die Religion. Es hat viele
überrascht, welche Sympathien dem jüngst verstorbenen Papst posthum
entgegengebracht wurden. Das aber ist sehr gefährlich, wenn Sie mich fragen.
Der Papst predigte ein Leben, das grossen Teilen der Gesellschaft verboten
hat, sich frei zu entfalten. Jede Religion wird gefährlich, wenn sie Einfluß
ausübt."
29.4. Berlin, Philharmonie
30.4. Bochum, Jahrhunderthalle
01.5. Stuttgart, Theaterhaus
02.5. Düsseldorf, Deutsche Oper
25.6. Karlsruhe DM Arena

Enzo Enzo

Musikalisch kreuzbrave französische Chansons (Musette, Tango, Bar-Jazz,
Pop). Enzo Enzo stellt ihr viertes Album “Paroli" vor.
2.5. Saarbrücken, Bel Etage
3.5. Mainz, Frankfurter Hof
7.5. Berlin, Arena-Glashaus
8.5. Hamburg, Fabrik
10.5. Bonn, Pantheon

Tri Yann

Die Bretonen waren Ende der 60er Jahre für das (celtic-) Folk-Revival
mitverantwortlich. Leben (und spielen immer noch)....wie Mick Jagger & Co,
denn manche Menschen in Frankreich, hab ich mir sagen lassen, nennen die
Band die “Rolling Stones von Nantes"...
4.5. Stuttgart, Theaterhaus
6.5. Speyer, Stadthalle

Phonoboy

deutsch-französiche Band aus München mit klasse Songs zwischen
Franzosen-Rock, britschem Beat und deutschen Popsongs. Mehr Infos auf
www.phonoboy.de
06.05. A-Wien, Flex
18.05. A-Salzburg-Rockhouse

Coralie Clement

Benjamin Biolays jüngere Schwester hat ihr zweites, gar nicht mal so
schlechtes, rockigeres Album im Gepäck. Sympathische Bühnenerscheinung und
sie piepst wirklich nicht, Herr Seliger! Ehrlich!
6.5. Essen, Zeche Zollverein
20.5. Darmstadt, Centralstation
21.5. Hamburg, Grünspan
22.5. München, Muffathalle
23.5. Berlin, Keselhaus
24.5. Köln, Stollwerck

Mei Tei Sho
15.5. Moers, Jazzfestival
16.5. Kassel, Schlachthof
18.5. Köln, Yardclub
19.5. Tübingen, Sudhaus
20.5. Berlin, Kulturbrauerei-Maschinenhaus

PROTOTYPES

Klasse Pariser Eighties-Wave-Pop-Electro-Clash-Band mit zwei Handvoll echter
Smash-Hits. “Médicalment" kennt man von LeTour 2. Ihre erste deutsche
Liveshow während der Popkomm in Berlin litt leider unter Besucherzuspruch,
war aber klasse.
19.5. Berlin, Lovelite
20.5. Leipzig, Pop Up Messe

POP UP MESSE LEIPZIG

Während der diesjährigen Messe treten vom 19-21. Mai mit Prototpyes, The
Film und Syd Matters gleich drei französische Acts auf.

Amadou & Mariam

Blindes Musikerpaar aus Mali, deren feines neues Album von Manu Chao
produziert worden ist. Siehe auch CD-Neuheiten.
24.5. Köln, Stadtgarten
23.6. Berlin, Kesselhaus
8. 7. Köln, Summerjam

Louise Attaque

Angeblich tritt die legendäre Pariser Strassen-Chanson-Punkrock-Band, die
von ihrem Debütalbum anno 1997 2 Millionen Platten verkauft hat, im Juni
zweimal in Freiburg auf.
07+ 09.6. Freiburg, Jazzhaus

PINK MARTINI

Keine Franzosen, allerdings hatte ihre Hit “Sympathique" für einige
Vewirrung gesorgt. Das zwölfköpfige Easy-Listening-Orchester kommt aus
Portland in den USA und stellt auf der Tour sein neues Album “Hang On Littel
Tomato" vor. Mehr Infos unter www.pinkmartini.com
06.07. Berlin-Arena-Glashaus

5. Printemps de Bourges : Festivalrückblick
Das Festival Printemps de Bourges in der kleinen Stadt Bourges im Herzen
Frankreichs, zwei Autostunden südlich von Paris, ist seit fast drei
Jahrzehnten eines der schönsten Festivals in Frankreich. Jedes Jahr finden
dort, im April, von Dienstag bis Sonntag verschiedene Konzerte in den
unterschiedlichsten Locations statt. Vom kleinen Clubraum mit 200-300
Kapazität bis zum grossen Zelt (Phenix) mit 5500 BesucherInnen. Dazu gibt es
noch eine grosse Aula (La Hune, 900) und eine Art Halle mit 1500
BesucherInnen. Dadurch, dass alle Veranstaltungsstätten zentral liegen und
per Fuss zu erreichen sind, ist das besonders angenehm.

Nachdem mich das französische Exportbüro in Berlin vor 4 Jahren “angefixt"
hatte, fahre ich seither jedes Jahr dorthin. Das Programm wird, trotz extrem
gut zusammengestellter internationaler Beteiligung, von französischen Acts
dominiert. Neben den Konzerten,die Eintrit kosten, finden zahlreiche
Clubkonzerte in rund 40 Clubs, Bars, Café statt, die kostenlos sind, dazu
lassen sich auch auf den Strassen gute Bands/Musiker entdecken.

Im folgenden ein paar Sätze zu den französischen Acts, die ich gesehen habe.
Die internationalen lasse ich weg: Eine Aufzählung zeigt allerdings, die
gute Zusammenstellung der Festvialmacher: Kasabian, Biffy Clyro, LCD
Soundsystem, Gentleman, The Kills, The National, Herman Düne, Ska-P, Low,
Ray Lamontagne, Rufus Wainwright, M.I.A., Bloc Party, Interpol, Asian Dub
Foundation, Nancy Sinatra, Marianne Faithful.

Bei der gerade zu Ende gegangenen 29sten Ausgabe der PRINTEMPS DE BOURGES
war einer der schönsten Auftritte das spontane Konzert der
Strassenmusik-Band LES PETITES BOURRETTES, eine ausgesprochen charmante
Kapelle, die sich aufdringlich und lautstark, verstärkerfrei, an
verschiedensten Plätzen in der Stadt Aufmerksamkeit verschaffte. Eine
Chanson-Rock-Band in der Tradition der US-amerikanischen Violent Femmes, mit
Gitarre, Akkordeon, Mundharp, Trompete und einem Bass, gebastelt aus einem
Besenstil und einem Plastikmülleimer. Auch ihre selbstproduzierte CD “Comme
des rois...." mit 20 feinen, lustigen Liedern ist zu empfehlen: Kontakt über
www.lespetitesbourretttes.com

Das schönste Konzert im Saal bot die Bretonin Françoiz Breut mit ihrer Band
im Vorprogramm der englischen Rocklady Marianne Faithful. Leider hatten es
die dunklen, mal spartanisch instrumentierten, mal sehr schrägen
Rock-Chansons eher schwer beim biederen, auf “Mrs Broken English"
eingestellten Publikum. Dennoch erklatschte das begeisterte Drittel der 900
BesucherInnen im ausverkauften La Hune­ inklusive moi ­ noch eine Zugabe von
Françoiz Breut. Die ehemalige Freundin von Dominique A hat jüngst erst ihr
langerwartetes drittes Album, “Une saison volée" veröffentlicht!

Ein echter Charmebolzen und live genauso wie auf Platte superb, ist Florent
Marchet, dessen Konzert im Vorprogramm von Keren Ann, vom jugendlichen
Publikum begeisternd aufgenommen wurde. Wo Benjamin Biolay ein Exzentriker
ist, ist der junge Marchet volksnäher, etwas scheu, doch mit mindestens
genauso viel Esprit und Witz gesegnet, wie Biolay. Sein Album “Gargilesse"
ist grosse Klasse, hat einige Hammerhits ­ nicht zuletzt “Tous pareil", das
ich ja auch nicht umsonst auf “LeTour 2" gepackt habe. Live rockt das noch
mehr und der von Miossec und Alain Souchon beeinflusste Marchet ist ein
ausgezeichneter Performer. Dass Keren Ann Zeidel fast so etwas wie die
legitime Nachfolgerin von Françoise Hardy ist, bewies die einstige
Mitstreiterin und Koautorin von Biolay (gemeinsam hat man u.a. Henri
Salvadors Hit “Jardin D`Hiver" geschrieben) mit ihrem Konzert im Anschluss an
Marchets Auftritt. Mit dreizehnköpfigem Streichorchester und Rockband bot
sie ein sehr schönes Konzert, ein Streifzug durch ihre bisherigen
Veröffentlichungen.

Besonders Lustig: Das Konzert von Pascal Of Bollywood. Pascal ist ein
durchgeknallter dünner Franzose, der sich seit etlichen Jahren ganz
indischer Musik verschrieben hat und wohl auch schon einige Hits in
Bollywood-Filmen hat. Live ist das superlustig und sehr gut. Pascal erinnert
in seinem knallbunten Anzug und seinem Habitus an Peter Sellers als
verwirrter Inder in Blake Edwards wunderbarer Komödie “Der Partyschreck".
Mit international besetzter zehnköpfiger Band inklusive reichlich Tabla und
anderen Percussioninstrumenten, indischer Sängerin und Tänzerin, jagt er uns
durch indischen Pop. Ob Schnulze oder flotter Ethno-Pop, Discohit oder
Soundtrack ­ der indisch singende Franzose (keine Ahnung, ob der Mann
tatsächlich Hindi kann, oder sich das nur so anhört) singt mit Inbrunst,
jodelt (!), tänzelt um die Sängerin herum, macht Faxen, gibt sich auch ganz
so, als würde er gerade die Hauptrolle in einem dieser Bollywood-Filme
spielen. Der Mann traut sich was und hat klasse. Das Publikum spaltet er in
zwei Lager. Nach und nach lichten sich die Reihen: allgemein sagt man ja den
Deutschen Humorlosigkeit nach; der durchschnittliche Bourgianer Bourgeois
ist allerdings auch kein Ausband an Humorigkeit. Die verbliebene Hälfe im La
Hune feiert den Mann jedenfalls. Vor Pascal Of Bollywood gab`s übrigens
Télépopmusik, die vor ein paar Jahren mal mit “Breathe" einen netten
Electro-Pop-Hit hatten. Live ist das eher öde und langweilig und groovt
eigentlich auch nur auf winziger Flammen: Morcheeba oder Moloko für Arme
würde ich mal sagen.........

Kennt eigentlich jemand De Palmas? Ich kannte den Herrn nicht, wobei Gerald
de Palmas in Frankreich wohl Popstar sein muss, waren die 5000 Besucher doch
hauptsächlich wegen ihm (und natürlich auch Anggun) ins Zelt gekommen. Nun,
der Soft-Rock-Sound ist in etwa so spannend wie eine Folge der auch in
Frankreich beliebten Krimi-Serie “Derrick". Mich erinnert De Palmas mit
seiner Band an die deutschen Pur; derselbe Langweilerrock, mit dem
Unterschied, dass der Franzose besser aussieht und gekleidet ist als
Hartrmut Engler.

Die aus Bordeaux kommenden Luke steigen langsam zu DER Rockband in
Frankreich auf, man sagt ihnen schon nach, sie seien die legitimen
Nachfolger der Nori Desir. Das unstrich Sänger Thomas Boulard mit seiner
Band beim Rockabend im vollbestetzten Palais d`Auron. Drei Jahre vorher war
man noch kleiner Voract in Bourges nun Headliner. War das erste Album der
Band, “La vie presque" (ihr Hit “Se taire" findet sich auch auf LeTour 1)
noch ruhiger und getragener, im Stil etwa der britschen Coldplay, so rocken
Luke auf ihrem Zweitling “La tete en arrière" wesentlich heftiger. Ebenfalls
nicht von schlechten Eltern, das metallische Electro-Rock-Projekt Prohom um
Sänger Philiippe Prohom, der mit seiner Glatze ein wenig aussieht wie
Domique A.

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals für mich: das blinde Paar AMADOUD +
MARIAM aus Mali, deren afrikanischer Weltmusiksound auch live wunderbarst
ist. Das jüngste Album der Beiden, die sich vor 25 Jahren in einer
Blindenschule in der Hauptstadt Bamako kennengelernt habe, hat übrigens kein
Geringerer als Manu Chao produziert. Das hört man dem grossartigen “Dimanche
à Bamako" auch an. Die Platte, die 2004 den Victoire (der französische
Grammy) für das beste Weltmusikablunm bekommen hat, erscheint übrigens im
Juni auch in Deutschland.

Nicht ganz uninteressant: NOSFELL, ein schwarzer, androgyner Saenger, ein
duenner Glatzkopf mit einer Stimme, die eigentlich einer jungen Frau oder
einem Kind gehoeren muesste (ich war am Anfang nicht sicher, ob er nicht
doch eine Frau ist) und der in seiner eigenen Fantastiesprache Klokobetz
(englisch meets französich meets..) singt. Nosfell arbeitet wie Dominique A,
jagt seine Stimme und Gitarre durch diverse Effektgerät und begleitet sich
so selbst. Unterstützt wird er von einem Cellisten. Wären die Songs noch
etwas spannender und nicht nur auf die gelegentlich zu offensive
Zurschaustellung seiner Vokalkunst aus, dann wäre das toll, so wirkt es
manchmal wie Kunsthandwerk und lässt einen leider kalt. Ebenso wie die
Mainstreamsängerin ILENE BARNES, deren Jazz, Rock, Blues, trotz guter
Stimme, gepflegte Langweile verbreitet.

6. Meine Playlist: Nicht nur französisches

Patrick Wolf: Wind In The Wires......genailer Sänger, muss viel Scott
Walker, Divine Comedy und Marc Almond gehört haben..

Herman Düne: Not On Top (Track And Field Organisation/Cargo)....die geniale
schwedischen Brüder aus Paris schlagen wieder zu. Lo-Fi-Rock zwischen
Palace, Velvet Underground und Pavement. Als Gast mit dabei: die Kanadierin
Julie Doiron...lauch ive fantastisch, wie in Bourges zu sehen!

Savoy Grand: People And What They Want.......Slow-Core mit
Gänsehaut-Effekt...Typ “Album des Jahres"

Camille: Le Fil.......eine der besten französischen Produktionen und dort
auch schon recht erfolgreich

Gustav: Retttet die Wale...charmante Österreicherin mit
Pop-Elektro-Songs..danke für den Tipp Melle

Jersey: dito.....Lo-Fi-Pop aus der München-Weilheimer Szene..charmant

Go-Betweens: Oceans Apart.....sehr schönes neues Album einer der grössten
Popbands aller Zeiten

Arcade Fire: Funeral....auf die können sich alle einigen, zurecht!

Funny van Dannen: Nebelmaschine (Trikont).....alleine für den Song
“Humankapital" gibt's den Münte-Antikapitalismus-Orden

Amadou & Mariam: Dimanche A Bamako....featuring Manu Chao..mehr weiter oben.

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Thomas Bohnet
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